Auf dem Weg zum Pastoralen Raum

Unser Erzbischof Dr. Werner Thissen hatte im Januar 2011 entschieden, dass die Entwicklung des Pastoralen Raums Hamburg Nordost am 1. März 2011 beginnt. Fünf Pfarreien sind beteiligt: Rahlstedt, Farmsen, Bramfeld, Poppenbüttel und Volksdorf. Nach 3 Jahren soll aber schon aus den bisher fünf selbständigen Gemeinden eine einzige neue Pfarrei entstehen. Zum Leiter der Entwicklung des Pastoralen Raumes hat er mich, P. Hans-Joachim Winkens SAC, den Pfarrer von Rahlstedt und den künftigen Pfarradministrator von Farmsen, beauftragt. Vorher gab es Gespräche des Erzbistums mit den Pallottinern. Sie haben zugesagt für die nächsten zehn Jahre die Leitung des Pastoralen Raumes zu übernehmen. Vereinbart wurde auch, dass das Pfarrhaus in Rahlstedt der zentrale Wohnort der Pallottiner ist. Zum Moderator hat im Mai 2011 unser Erzbischof Herrn Stefan Büngens ernannt.

Am 19. Juni 2011 wurde es dann spürbar konkret. In der Gemeinde Hl. Kreuz in Volksdorf fand die Auftaktveranstaltung für unseren Pastoralen Raum statt. Ab 15.00 Uhr trafen sich die Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände, die Vertreter der Kitas und der Schule, die Mitglieder der Ausschüsse und Gremien, viele Ehrenamtliche, die Seelsorgerinnen und Seelsorger zur Begegnung und zu einem Zukunftsworkshop im Gemeindehaus in Volksdorf. An der festlichen Heiligen Messe in Hl. Kreuz um 18.00 Uhr haben dann weitere Gemeindemitglieder teilgenommen. Unsere Kirchenmusiker gestalteten mit den Chören und Instrumentalkreisen die Messe, die P. Winkens zusammen mit den anderen Priestern und Diakonen sowie den Gemeindereferentinnen und Gläubigen feierte.

Sofort nach dem Startschuss des Erzbischofs, hatten wir schon begonnen viele Gruppen der Verantwortlichen zu informellen Treffen zusammenzurufen. So trafen sich regelmäßig alle Pastoralen Mitarbeiter, weiter die PGR-Vorsitzenden und die stellvertretenden KV-Vorsitzenden, die Kita-Leitungen mit der Schule, die Kirchenmusiker, die Jugendvertreter, die Rendanten und die Kitaträger.

Am 22. Juni 2011 konstituierte sich der Gemeinsame Ausschuss, unser Parlament, im Gemeindehaus in Rahlstedt. 60 Mitglieder aus unseren Gemeinden und Einrichtungen bilden mit allen Pastoralen Mitarbeiterrinnen und Mitarbeitern diesen Ausschuss. Von ihm wurde eine Lenkungsgruppe gewählt, die zehn Mitglieder umfasst. Während der Gemeinsame Ausschuss die Entscheidungen trifft, obliegt der Lenkungsgruppe die inhaltliche Vorbereitung und Gestaltung.

Der Gemeinsame Ausschuss berief fünf Arbeitsgruppen, die sich alle am 21. September 2011 konstituiert haben und zu unterschiedlichen Themen arbeiten: Familie und Kinder; Jugend, junge Erwachsene, Singles; 50+; kirchliche/politische Gemeinde, Gesellschaft, Kultur; Finanzen, Baubestand, Fundraising. Es besteht jetzt der Wunsch, noch weitere Teilnehmer aus den Gremien, Verbänden, Gruppen und Ehrenamtlichen hinzuzugewinnen. Wer noch an einer Arbeitsgruppe mitarbeiten möchte, ist dazu herzlich eingeladen und kann sich über das Pfarrbüro anmelden. Für den Gemeinsamen Ausschuss ist inzwischen auch eine Geschäftsordnung erarbeitet worden. Schließlich wird intensiv an einer Website für den Pastoralen Raum Hamburg Nordost gearbeitet.

Im Erzbistum Hamburg gehören wir zu den ersten Pfarreien, die mit der Entwicklung begonnen haben. Dadurch sind wir gleichsam auch ein Pilotprojekt. Durch Vernetzung und Zusammenarbeit wollen wir uns als Kirche neu aufstellen. Wir wollen uns im Miteinander zukunftsfähig machen, lebendig bleiben und Gottes Gegenwart in der Gesellschaft Raum verschaffen. Die offiziellen Gründe für die neue Entwicklung liegen im akuten Priestermangel aber auch im Gläubigenmangel, denn längst sind nicht mehr alle Gemeinden im Erzbistum fähig zu wachsen und ihr Gemeindeleben durch Ehrenamtliche aktiv zu gestalten. Nun haben wir die Chance zum Aufbruch. Lasst uns ihn gemeinsam und auch geistlich gestalten. Alle Beteiligten werden für den Prozess des Zusammenwachsens Gottes Heiligen Geist brauchen. Er hat sich schon oft als frischer Wind erwiesen, der auch Altes und Erstarrtes mit neuem Leben ausstatten kann.

In den bisherigen Überlegungen zeichnen sich folgende Gegebenheiten deutlicher ab. Wir werden kirchenrechtlich eine große Pfarrei sein mit einem Pfarrer an der Spitze. Er wird unterstützt von mehreren Pastoren, Diakonen und Gemeindereferentinnen. Auf der Pfarreiebene werden auch die Gremien, PGR und KV, angesiedelt. In der Pfarrei wird es mehrere Gemeinden geben. Dies können die bisherigen selbständigen Pfarrgemeinden sein. Dort werden auch sogenannte Gemeinderäte gebildet. Zusätzlich wird es in der Pfarrei vielfältige Orte kirchlichen Lebens geben: das sind die Kitas in jeder Gemeinde, die Schule und das Elisabeth-Haus in Farmsen, das Kinderkrankenhaus und die Caritas Kita in Rahlstedt, das Hospiz in Volksdorf, der Caritastreff in Bramfeld, Beratungsstellen, Jugendtreffs, die Gemeindehäuser und vieles mehr. Ebenso werden die Treffen der ausländischen Missionen, die Polen, Vietnamesen und Ungarn, hier ihren Platz haben. In 2012 werden wir für unsere neue Pfarrei ein Pastoralkonzept entwickeln.

Der einzelne Mensch wird wahrgenommen mit seinen Sorgen und Fragen, mit seinen Freuden und Ängsten. Er kann dies alles zur Sprache bringen. Da brauchen wir einen weiten Seelsorgebegriff. Die Hauptamtlichen mit den Ehrenamtlichen werden seelsorglich tätig sein, auch in den Einrichtungen. Es geht also um ein Miteinander aller in der Gemeinde und darüber hinaus. Damit ist auch die Ökumene angesprochen, das Zusammenwirken mit dem Erzbistum, Kontakte auch in die Stadtteile hinein und das Gespräch mit den politischen Gruppierungen. Gemeinsam können wir Zeugnis geben für die Anliegen der Menschen.

Der hl. Vinzenz Pallotti, der Gründer der Pallottinischen Gemeinschaften, hat dieses Miteinander in Kirche und Welt, diese Vernetzung und Zusammenarbeit, schon im 19. Jahrhundert als wesentlich erkannt. Wir Christen sollen uns politisch und sozial einbringen, einmischen, mitreden und handeln. Dies fordert auch der diakonische Auftrag der Kirche von uns. Der Pastorale Raum bietet neu die Chance, allen die Möglichkeit zur Mitarbeit in der Kirche zu geben.

P. Hans-Joachim Winkens SAC

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